BÜRO DLB - IDEE-REALISATION-KOMMUNIKATION
Daniel Leutenegger, Bulliard 95, CH-1792 Cordast, Tel +41 (0)26 684 16 45 (nachmittags), www.buero-dlb.ch

BÜRO DLB - IDEE-REALISATION-KOMMUNIKATION
Daniel Leutenegger
Bulliard 95
CH-1792 Cordast
Tel +41 (0)26 684 16 45 (nachmittags)
Fax +41 (0)26 684 36 45
E-Mail
www.buero-dlb.ch

"PAUL KLEE. MENSCHEN UNTER SICH"

"PAUL KLEE. MENSCHEN UNTER SICH"

25.08.2021 Ausstellung im Zentrum Paul Klee Bern (ZPK), vom 28. August 2021 bis am 22. Mai 2022


Bild oben: Paul Klee, Garten am Bach, 1927, 220, Bleistift, Pinsel und Aquarell auf Papier auf Karton, 27,5 x 30,2 cm, Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Livia Klee

Was bedeutet Gemeinschaft und welche Formen hat sie? Worauf stützen sich Autorität und Macht? Paul Klee wird oft als unpolitischer Künstler wahrgenommen. Die Ausstellung "Paul Klee. Menschen unter sich" stellt sich dieser Wahrnehmung entgegen und zeigt auf, wie sich hinter der ironischen Fassade seiner Werke oft eine gesellschaftliche oder politische Dimension verbirgt. Aus der "überirdischen" Perspektive des Künstlers betrachtet Klee die menschliche Gemeinschaft, analysiert ihre Spannungen und Konflikte und stellt sie ironisierend und auf ihr Wesentlichstes reduziert dar. Ergänzt wird die Ausstellung durch Choreographien der inklusiven Tanzgruppe BewegGrund.

Bild: Paul Klee, Gewalt, 1933, 138, Kreide auf Papier auf Karton, 17,1 x 20,9 cm, Zentrum Paul Klee, Bern

Mit zoologischem Blick 

Menschen muten in Klees Werken oft wie eine fremde, noch zu erforschende Spezies an. Der Künstler betrachtet sie mit beinahe "zoologischem Blick", er fragt nach dem Wesen der menschlichen Gesellschaft und analysiert auf ironische Art und Weise deren Verhalten. Die Ausstellung "Paul Klee. Menschen unter sich" beleuchtet in acht Kapiteln diesen besonderen Aspekt von Klees Werk. Sie zeigt seine Beschäftigung mit der menschlichen Natur, mit den Dynamiken des Zusammenlebens, mit gesellschaftlichen und politischen Machtverhältnissen oder mit der Familie als tragisch-komische Schicksalsgemeinschaft.

Auch Klees Haltung gegenüber den Utopien und Umbrüchen seiner Zeit wird thematisiert. Mit den Illustrationen zu Voltaires gesellschaftssatirischem Werk "Candide", den noch wenig bekannten Illustrationen zu Curt Corrinths "Potsdamer Platz" sowie den 1933er-Zeichnungen, in denen Klee auf subtile Art und Weise das von den Nationalsozialisten freigesetzte Gewaltpotential in der Gesellschaft verarbeitet, werden besondere Schwerpunkte gesetzt.

Endpunkt der vorwiegend aus Zeichnungen zusammengesetzten Ausstellung ist ein "Garten-Kabinett" mit ausschliesslich farbigen Werken, das eine Verbindung zwischen Voltaires "Candide"-Erzählung und den zahlreichen Gartendarstellungen in Klees Werk schafft. 

Die Suche nach Gemeinschaft 

Das Leben und die künstlerische Laufbahn Klees fallen in eine Zeit dramatischer politischer und gesellschaftlicher Konflikte. Er erlebt zwei Weltkriege, revolutionäre Bewegungen und den Aufstieg des Faschismus. In der Kunst gewinnen revolutionäre und utopische Ideen starken Einfluss. Viele KünstlerInnen verschreiben sich der utopischen Neuordnung der Gesellschaft. Als es 1919 in München zu einem kommunistischen Umsturzversuch kommt, tritt auch Klee einem "Aktionsausschuss revolutionärer Künstler" bei, übt sein Amt aber nie aus und muss die Stadt nach ihrer Niederschlagung fluchtartig verlassen. Für Klee bedeutet die Revolution die Sehnsucht nach einer starken Künstlergemeinschaft und den Wunsch, als Künstler die Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können.

In diesem Zusammenhang zeigt das Zentrum Paul Klee Klees einzigartigen Illustrationszyklus zur revolutionären Novelle "Potsdamer Platz" von Curt Corrinth (1920). Darin beschwört der Autor in ekstatischen Worten eine weltumspannende sexuelle Revolution, die schliesslich ebenfalls niedergeschlagen wird. In seinen Illustrationen, die unter dem Eindruck der politischen Umbrüche entstanden sind, münzt Klee den "alles überschwemmenden Luststrom" des Romans in eine Revolutionssatire um. 

Die 1933er-Zeichnungen

Krieg und Gewalt spiegeln sich auch in einem rund 300 Blätter umfassenden Zyklus von Bleistiftzeichnungen aus dem Jahr 1933, als Klee, von den Behörden "als Jude und als Lehrer für unmöglich und entbehrlich angesehen", von seinem Posten als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf entlassen wird und zurück nach Bern zieht. Seine Kunst wird als "entartet" geschmäht; er verliert sein Ansehen und sein Einkommen. Die Zeichnungen bilden eine stilistisch und inhaltlich so geschlossene Gruppe, wie es sie bis dahin im Werk Klees noch nie gegeben hatte. Dargestellt sind Menschen und tierartige Wesen in Situationen der Gewalt, des Militarismus und der Verfolgung. Während in der nationalsozialistischen Propaganda die Errichtung der Diktatur als nationale "Erneuerung" oder "Aufbau" dargestellt wird, zeigt Klee die Ereignisse als Verfall der Gesellschaft, als Bruch mit der Zivilisation und als Rückfall in die Barbarei. 

Bild: Paul Klee, Disput, 1929, 232, Ölfarbe auf Leinwand auf Keilrahmen; originale, gefasste Rahmenleisten, 67 x 67 cm, Zentrum Paul Klee, Bern

Illustrationen zu Voltaires „Candide" 

Klee trat in seiner Karriere nur selten als Illustrator in Erscheinung. Neben den oben genannten Illustrationen zur Novelle "Potsdamer Platz" sind besonders seine schlichten, konturenhaften Federzeichnungen zu Voltaires satirischem Roman "Candide" bedeutend. Klee war begeistert vom Werk Voltaires: "herrlich zu lesen, ein ganz überragender Geist, wunderbare Sprache, einfach, gescheidt, witzige Combinationen, höchster Geist!", schrieb er in einem Brief an seine Frau Lily. Der Held der rasant erzählten, beissenden Satire ist der gutgläubige "Candide", der sich, aufgrund seiner Liebe zur Tochter eines deutschen Barons aus dem irdischen Paradies des heimatlichen Schlosses verstossen, auf einer Odyssee durch eine von Gewalt und Katastrophen heimgesuchten Welt wiederfindet. Seine Reise endet auf einem kleinen Landgut, wo er sich in einer kleinen Lebensgemeinschaft der Gartenarbeit zuwendet.

In Anlehnung an die abschliessende Erkenntnis in "Candide", dass Glück und Erfüllung vor allem in der Bescheidenheit der häuslichen Arbeit liege, ist schliesslich auch ein letzter Raum der Ausstellung Klees Faszination für Gärten und Parks gewidmet, in dem ausschliesslich farbige Werke zu sehen sind. 

Kollektiv BewegGrund 

Die Ausstellung wird durch eine Serie von sechs Choreografien von BewegGrund, einer Berner Gruppe von TänzerInnen mit und ohne Behinderung, abgerundet. Die Choreografien, welche als Projektionen in der Ausstellung zu sehen sind, sind in Reaktion auf die Zeichnungen Klees entstanden und treten mit den Werken in einen Dialog. Über 30 TänzerInnen waren an dem Projekt beteiligt, das von den Choreographinnen Susanne Schneider und Lucía Baumgartner auf Einladung des Zentrum Paul Klee geleitet und gemeinsam mit den Beteiligten ausgearbeitet wurde. Das Schaffen von BewegGrund zeichnet sich durch einen experimentellen Umgang mit Körper, Bewegung und Tanz und eine Reduktion auf das Wesentliche aus, was dem ausgeprägt theatralischen Charakter und der reduzierten Linienführung von Klees Werken entspricht. 

Kurator: Martin Waldmeier

zpk

Kontakt:

https://www.zpk.org/de/

www.beweggrund.org 

#PaulKleeMenschenUnterSich #PaulKlee #ZPK #ZentrumPaulKleeBern #MartinWaldmeier #BewegGrund #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Bild: Paul Klee, D. Garten zur roten Sonnen blume, 1924, 12, Aquarell auf Papier auf Karton, 31,8 x 41,4 cm, Zentrum Paul Klee, Bern, Museumsstiftung für Kunst der Burgergemeinde Bern

 

 

Zurück zur Übersicht