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"HOW TO WIN AT PHOTOGRAPHY - DIE FOTOGRAFIE ALS SPIEL"

"HOW TO WIN AT PHOTOGRAPHY - DIE FOTOGRAFIE ALS SPIEL"

06.06.2021 Ausstellung im Fotomuseum Winterthur, bis am 10. Oktober 2021


Bild: Dorothée Elisa Baumann, Take a Better Picture, 2018 © Dorothée Elisa Baumann

"How to Win at Photography – Die Fotografie als Spiel" erkundet die Fotografie als spielerisches Unterfangen und lädt die BesucherInnen ein, sich mit den spielerischen Aspekten der visuellen Kultur zu beschäftigen. Die Ausstellung untersucht das Verhältnis von Spiel und Bild und stellt dabei unerwartete Verbindungen zwischen der Geschichte der Fotografie sowie den Praktiken der Bildproduktion mit und in Computerspielen her.

Die Gruppenausstellung "How to Win at Photography" umfasst mehr als vierzig Positionen; darunter sowohl zeitgenössische als auch historische Arbeiten aus dem 20. Jahrhundert. Durch eine Assemblage von multimedialen Kunstwerken und vernakularen Bildern hinterfragt die Ausstellung den Charakter und die Funktion der Fotografie in der Gegenwart. Die Fotografie ist ihrem Wesen nach spielerisch. Aber Fotografie ist kein freies Spiel. Es gilt Regeln einzuhalten, Fertigkeiten zu beherrschen, Erwartungen zu erfüllen.

Spielen wir mit der Kamera oder spielt die Kamera letztlich mit uns? Haben wir wirklich die Kontrolle oder sind wir nur Spielfiguren in einem grösseren technischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Netzwerk? Was können spielerische Formen der Fotografie auf politischer und gesellschaftlicher Ebene bewirken? Wer oder was vollzieht den Akt des Sehens und Fotografierens Menschen, Maschinen oder eine Kombination aus beiden? Und schliesslich: Wer spielt mit und wer gewinnt? Dies sind nur einige der Fragen, denen "How to Win at Photography" nachgeht.

Thematische Schwerpunkte

Die Ausstellung ist in fünf Kapitel unterteilt: "Game Travel – Das Spiel als Reise", "Gameplay – Die Regeln des Spiels", "Replay – Wiederholung als Spiel", "Role Play – Das Spiel mit Identitäten" und "Camera Play – Das Spiel mit dem Apparat".

Game Travel beleuchtet die Praxis des Fotografierens innerhalb von Videospielen. Die Aufnahme von Screenshots, also von Bildschirm-Schnappschüssen, bei denen ein Teil oder der gesamte Bildschirm abfotografiert oder "eingefroren" wird, ist in der Videospielkultur weit verbreitet. Anstatt ein Videospiel zu spielen, spielen FotografInnen und KünstlerInnen mit dem Videospiel und setzen sich so auf ungewohnte Weise mit Games auseinander. Screenshots aus Videospielen dienen insbesondere politischen Organen jedoch auch der strategischen Desinformation wie im Fall des russischen Verteidigungsministeriums, welches 2017 einen angeblich "unwiderlegbaren Beweis" dafür postete, dass die US-Streitkräfte die Terrororganisation ISIS unterstützen. Die angeblichen Beweisfotos entpuppten sich bald als eine Reihe von Screenshots aus dem Smartphone-Spiel AC-130 Gunship Simulator: Special Ops Squadron.

Gameplay befasst sich mit der Entstehung von Regeln und Bewertungssystemen in der zeitgenössischen Fotografie. Messbare Werte wie Likes, Shares, FollowerInnen oder Reposts treiben die Gamifizierung der visuellen Kultur die Anwendung spieltypischer Mechanismen in einem nicht gamespezifischen Kontext stetig voran. Bewertungssysteme für Bilder sind heute zur Normalität geworden, wir alle möchten mit unseren eigenen Bildern punkten. In diesem Kontext können sich ProduzentInnen von Inhalten entweder dem Status quo anpassen, indem sie "erfolgreiche" Bilder herstellen, oder sie können versuchen, die herrschenden Logiken zu unterlaufen, um die Gamifizierung zu hinterfragen, abzulehnen oder zu sabotieren.

Das Kapitel Replay erkundet die Praxis des Nachbildens und Neuinszenierens. Während Spiele immer "realistischer" werden und die Realität zunehmend gamifiziert wird, verschwimmen die Begriffe von Original und Kopie. So nutzen beispielsweise GamerInnen auf der ganzen Welt Kriegssimulationsspiele, um die ikonische Fotografie eines nicht identifizierten Mannes, der auf dem Tian’anmen-Platz vor einem Konvoi von Panzern steht, nachzuspielen. Mit Screenshots der Szene lassen sie das Ereignis, welches durch Zensur teils unsichtbar gemacht wird, wieder sichtbar werden. Durch die Aneignung und Rekontextualisierung von Bildern stellen KünstlerInnen und FotografInnen die vorherrschenden Autoritäten in Frage und bringen Gegenerzählungen hervor, die wiederum die Realität beeinflussen können.

Role Play widmet sich dem Spiel mit Identitäten. Von fotografischen Porträts bis hin zu Selfies, von Videospiel-Avataren bis hin zu Filmstars das Rollenspiel ist eine der wenigen Konstanten im ständigen Wandel der Geschichte der Figurendarstellung. Das performative Spiel mit dem eigenen Selbst wird dabei oftmals zu einem ermächtigenden Akt sowie zu einer Kritik an Darstellungstraditionen, die Minderheiten ausschliessen und Regeln, Bezeichnungen und Grenzen dafür festlegen, was gesellschaftlich als "normal" gilt und somit akzeptiert wird.

Camera Play hinterfragt die Funktion der Kamera und die Art und Weise, wie sie die Realität formt und hervorbringt. Die Kamera wird gemeinhin als Werkzeug von FotografInnen verstanden. Doch seit ihren Anfängen haben KünstlerInnen sowohl die Regeln als auch die Art und Weise, wie der Apparat die Welt "sieht", hinterfragt. Indem sie mit der Kamera spielen manchmal gegen ihre vorgesehenen Funktionen , bringen FotografInnen die Ideologien ans Licht, die die Herstellung, die Verbreitung und den Konsum von Bildern bestimmen. Indem sie die Kamera bewusst verfremden, modifizieren, hinterfragen und neu erfinden, können ungewohnte Sehweisen entstehen.

Mit Arbeiten von:

Cory Arcangel, Aram Bartholl, Dorothée Elisa Baumann, Justin Berry, Julius Brauckmann, Alan Butler, Claude Cahun, Cibelle Cavalli Bastos, Dries Depoorter & Max Pinckers, Philipp Dorl, Constant Dullaart, Harun Farocki, Christopher Graves, Aneta Grzeszykowska, Beate Gütschow, Jon Haddock, Emily Hadrich, Florence Henri, Roc Herms, John Hilliard, Yuyi John, Rindon Johnson, Andy Kassier, Sherrie Levine, Gloria López Cleries & Sive Hamilton Helle, René Mächler, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Joan Pamboukes, Steven Pippin, Michael Reisch, Tabor Robak, Ria Patricia Röder, Lorna Ruth Galloway, Ed Ruscha, Emma Agnes Sheffer, Cindy Sherman, Guido Segni,Andrew Stine, Petra Szemán, Akihiko Taniguchi, Danielle Udogaranya, Coralie Vogelaar, Tamás Waliczky und Ai Weiwei.

Informationen zum Museum

Das Fotomuseum Winterthur ist führend in der Präsentation und Diskussion der Fotografie und visuellen Kultur. Die Institution zeigt Arbeiten junger wie auch etablierter FotografInnen im Rahmen von wechselnden Einzel- und thematischen Gruppenausstellungen. Darüber hinaus untersucht die Institution fotografische Phänomene vor dem Hintergrund neuer Technologien und digitaler Medien und reflektiert diese kritisch. Künstlerische, angewandte und kulturelle fotografische Erscheinungsformen erforscht das Museum in ihrer breiten Vielfalt. Der Austausch und der Dialog sind für das Fotomuseum Winterthur zentral. Die Institution steht für eine reflektierte, selbstbestimmte und kreative Mediennutzung ein. Über die Sammlung (ab 1960) gestaltet das Museum die Geschichte(n) und das Verständnis fotografischer Medien mit. Das Fotomuseum Winterthur wurde 1993 gegründet und bildet gemeinsam mit der Fotostiftung Schweiz seit 2002 das Fotozentrum die führende Kompetenzstelle für Fotografie der Schweiz.

cp

Kontakt:

https://www.fotomuseum.ch/de/

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