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"DER APFEL. EINE EINFÜHRUNG. (IMMER UND IMMER WIEDER)"

"DER APFEL. EINE EINFÜHRUNG. (IMMER UND IMMER WIEDER)"

18.09.2021 Kunstmuseum Thun: Ein Projekt von Paweł Freisler und Antje Majewski. Mit Brigham Baker, Jimmie Durham, Agnieszka Polska und Didier Rittener. Sowie mit dem Biohof Fruchtwald - Sandra & Marc Schlotterbeck, der Kunstvermittlung, dem Spital Thun, Thuner Schulen und Freiwilligen - Bis am 28. November 2021


Bild: Brigham Baker, Apple 2, 2019, C-Print, 170 x 120 cm, Kunstsammlung Kanton Zürich 

In der Ausstellung dreht sich alles um Äpfel – die Frucht, die wir am besten zu kennen glauben. Exemplarisch zeigen uns die Äpfel auf, wie unendlich gross die Vielfalt ist, welche die Natur aus einer Grundform hervorbringen kann. Sie verweisen aber auch auf die Herstellung von Lebensmitteln oder auf Debatten in der Genforschung. So fordert uns das Thema auf, über unser Verhältnis zu der von uns domestizierten Natur nachzudenken.

Initiiert von den Kunstschaffenden Antje Majewski und Paweł Freisler ist es ein gleichermassen künstlerisches, wissenschaftlich-kulturhistorisches und politisches Projekt, das seit 2014 an unterschiedlichen Orten realisiert wird. Immer bindet es u.a. weitere KünstlerInnen, lokale AkteurInnen und Schulen mit ein. Die Ausstellung im Kunstmuseum Thun ist die bisher grösste und umfassendste Realisierung des Projekts und führt Arbeiten aus allen vorherigen Stationen zusammen.

Gezeigt werden neben Werken von Majewski und Freisler solche von Jimmie Durham und Agnieszka Polska, sowie Arbeiten zum Thema Apfel der Schweizer Künstler Brigham Baker und Didier Rittener, die unabhängig entstanden sind. Ebenso werden Werke aus der Sammlung des Kunstmuseum Thun zu sehen sein. An allen Standorten des Projekts werden Apfelbäume im öffentlichen Raum gepflanzt, so auch in Thun: das Kunstmuseum arbeitet hierfür mit dem Spital Thun zusammen.

Das Projekt beinhaltet ein breites Vermittlungsprogramm. So werden unter anderem Arbeiten, welche durch einen offenen Aufruf an die Bevölkerung eingereicht wurden, in die Ausstellung miteinbezogen. Im Projektraum enter entsteht eine partizipative Wand mit Apfelbildern, welche Vielfalt und Ernte symbolisieren. Daneben werden "Früchte und Blüten" von Thuner Schulklassen präsentiert, welche den Apfel im Unterricht aufgreifen. Teil des Rahmenprogramms und der Bespielung vor Ort sind u.a. auch eine Plattform für den Austausch von Lieblingsrezepten mit Äpfeln sowie ein reichhaltiges Workshopangebot.

Künstlerische Positionen

Die Werke in der Ausstellung, so unterschiedlich sie sein mögen, zeigen den Apfel als Meditationsobjekt, das uns über Natur, Zeit und Erscheinung nachdenken lässt. Der Apfel ist eingebunden in die natürliche Zeit  des Vergehens und Neuentstehens, aber auch in die menschengestaltete historische Zeit seiner Züchtungsformen.

In Majewskis Malereien von neuen und alten Apfelsorten findet sich eine Vielfalt an Farben und Formen, die eine Vorstellung von Diversität vermitteln. Die Malereien basieren auf Lebensmittelfotografien und nehmen so die Tradition des Stilllebens über einen Umweg wieder auf. Unter den neuen Sorten befinden sich der erste genmanipulierte Apfel und eine Neuzüchtung mit rotem Fleisch. Mit Majewskis Film "Wilde Äpfel" unternimmt sie eine faszinierende Fallstudie zur Biodiversität. Für die Ausstellung im Kunstmuseum Thun ist ein neues Video über einen lokalen Apfelspezialisten (Biohof Fruchtwald in Homberg bei Thun, Sandra u. Marc Schlotterbeck) entstanden.

Paweł Freisler bearbeitet seit vielen Jahren Äpfel mit Ornamenten, die er in ihre Haut einritzt und sie dann in einem langwierigen Prozess konserviert. Unter ihnen befinden sich kaum von ihnen zu unterscheidende Repliken: 3D-Drucke in natürlichen Farben. Natürliche und künstliche Klone, die Äpfel selbst und ihre High-Tech-Repliken bringen eine überraschende Parallele von Natur und Technologie ins Bewusstsein.

Die Ausstellung wird erweitert durch Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die sich ebenfalls mit Apfelbäumen beschäftigt haben oder auf andere Weise Teil des gemeinsamen Kreisens um Gärten, Äpfel, Pflanzungen geworden sind: Jimmie Durham mit seinen Apfelsaft-Flaschen, die er für die dOCUMENTA (13) produzierte, und Agnieszka Polska mit einem Film über den imaginären Garten Freislers.

Das Werk des Schweizer Künstlers Didier Rittener ist vorwiegend ein Zeichnerisches und Konzeptionelles. Sich mit dem Thema der zeitgenössischen Bildproduktion auseinandersetzend, bedient er sich unter anderem aus der Motivik der Kunstgeschichte und anderen Domänen. Auch in der monumental grossen Zeichnung "Les pommiers ou indécente forêt" (Die Apfelbäume oder unsittlicher Wald) ist eine Vielzahl von Verweisen auf kunsthistorische Werke zu erkennen, welche das abendländisch-christliche Urthema des Sündenfalls mit dem Apfel illustrieren. Für die Ausstellung in Thun wird zudem ein neues Werk entstehen.

Die Serie "Apples" zeigt eine fotografische Langzeitstudie des Künstlers Brigham Baker. Obwohl der Apfel im Zentrum der Fotografien steht, sind die Werke auch als Reflexion über das Zusammenspiel und die Dualität von Natur und Kultur zu verstehen. Zuweilen vermitteln sie ein Gefühl von Zeitlichkeit und mögen an Vanitas-Stillleben erinnern, denn der Künstler zeigt nicht nur reife, wohlgeformte Äpfel, sondern auch den Zustand des Verfaulens. Den abgelichteten Baum hat er täglich und zu verschiedenen Tageszeiten besucht.

Beteiligte Kunstschaffende

Antje Majewski, *1968 in Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin 

Paweł Freisler, *1942 in Polen, lebt und arbeitet in Schweden 

Brigham Baker, *1989 in den USA, lebt und arbeitet in Zürich

Jimmie Durham, *1940 in den USA, lebt und arbeitet in Berlin und Rom 

Agnieszka Polska, *1985 in Polen, lebt und arbeitet in Berlin

Didier Rittener, *1969 in Lausanne, wo er lebt und arbeitet 

kmt

Kontakt:

https://www.kunstmuseumthun.ch/

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